Da die Seeschifffahrt nun vollständig unter das EU-Emissionshandelssystem (ETS) fällt, legen Reedereien laut dem deutschen Motorendiagnostikspezialisten CM Technologies GmbH (CMT) verstärkt Wert auf die Motoroptimierung, um emissionsbedingte Betriebskosten zu senken. Ab dem 1. Januar 2026 müssen Schiffe, die zwischen EU-Häfen verkehren, EU-Zertifikate für die gesamte Menge der verifizierten Treibhausgasemissionen abgeben. Damit endet die 2024 begonnene Übergangsfrist. Emissionskosten werden nicht länger als bloße Compliance-Frage betrachtet, sondern sind ein wichtiger Faktor für die Wirtschaftlichkeit der Schiffsreisen. Branchenberichte vom Anfang 2026 zeigen, dass die vollständige Einhaltung der ETS-Vorschriften die Kosten für VLSFO auf innergemeinschaftlichen Fahrten um etwa 320 US-Dollar pro Tonne erhöht, basierend auf den geltenden Zertifikatspreisen und den regulierten Emissionsfaktoren für Kraftstoffe. Die genauen Kosten variieren zwar je nach Kohlenstoffmärkten und Wechselkursen, doch laut CMT hat das Ausmaß der Belastung den Fokus der Reedereien verstärkt auf Kraftstoffeffizienz und Verbrennungsqualität gerichtet. „Bei vollständiger Anwendung des EU-Emissionshandelssystems (ETS) sind die Emissionskosten auf Reiseebene deutlich sichtbar. Das bedeutet, dass selbst geringfügige Ineffizienzen nun direkte finanzielle Auswirkungen haben“, so David Fuhlbrügge, Geschäftsführer von CMT. Laut Unternehmen zählen schleichende Verluste der Verbrennungseffizienz weiterhin zu den häufigsten Ursachen vermeidbarer Emissionen. Eine verzögerte Zündung, ungleichmäßige Zylinderbelastung oder der Verschleiß der Einspritzdüsen entwickeln sich oft schleichend und lösen möglicherweise keine Alarme aus, erhöhen aber stetig den Kraftstoffverbrauch. Im Rahmen des ETS erhöht jede zusätzlich verbrannte Tonne Kraftstoff direkt die Emissionszertifikate.

„Reedereien und Schiffsmanager nutzen Leistungsdaten, Kraftstoffüberwachung und Verbrennungsanalysen verstärkt, um den Kraftstoffverbrauch zu kontrollieren und die Emissionsbelastung zu minimieren, da die CO₂-Bepreisung zunehmend in den täglichen Betrieb integriert wird“, sagte Fuhlbrügge. Dies wird von großen Klassifikationsgesellschaften unterstützt. Jüngste Leitlinien von DNV und ClassNK weisen darauf hin, dass die Einhaltung der EU-ETS-Vorschriften eine engere operative Kontrolle des Kraftstoffverbrauchs und der Motorleistung sowie eine zuverlässige Überwachung und Verifizierung der Emissionsdaten erfordert. CMT zufolge führt die Kombination aus regulatorischen Vorgaben und ersten Betriebserfahrungen im Rahmen des EU-Emissionshandelssystems (ETS) zu einem proaktiveren Ansatz bei der Motoroptimierung. Betreiber versuchen, selbst geringfügige Effizienzverluste zu erkennen und zu beheben, bevor diese zu höheren Emissionskosten führen. Das Unternehmen berichtet von einem wachsenden Interesse an On-Board-Verbrennungsanalysen zur Beurteilung von Zündzeitpunkt und Zylinderlaufbahnen unter realen Betriebsbedingungen, um entsprechende Anpassungen vornehmen zu können. Gleichzeitig werden verschleißbedingte Effizienzverluste beim Betrieb mit schwefelarmem Kraftstoff genauer überwacht, da der Verschleiß von Zylinderlaufbuchsen und Kolbenringen die Reibung und den Kraftstoffbedarf deutlich erhöhen kann, lange bevor die üblichen Wartungsschwellen erreicht sind.

Die Erweiterung des Anwendungsbereichs des EU-ETS im Jahr 2026 auf Methan und Lachgas unterstreicht die Bedeutung der Verbrennungsqualität zusätzlich, so CMT. „Diese Gase haben ein deutlich höheres Treibhauspotenzial als CO₂, was bedeutet, dass unvollständige Verbrennungsvorgänge zu einem überproportionalen Anstieg der CO₂-Äquivalentemissionen führen können“, sagte Fuhlbrügge. „Der ETS-Preis selbst liegt außerhalb des Einflussbereichs der Betreiber. Neu ist jedoch, dass die Motorleistung nun direkt in die Emissionskosten einfließt. Die Aufrechterhaltung einer effizienten Verbrennung ist nicht länger nur eine bewährte Ingenieurpraxis, sondern gehört zum Management von Betriebsrisiken im CO₂-Markt.“ CMT geht davon aus, dass die Motoroptimierung enger mit der Emissionsberichterstattung, der Reiseanalyse und der kommerziellen Entscheidungsfindung verknüpft wird, sobald die ETS-Kosten vollständig in die Chartervertragsverhandlungen einfließen.

Entnahme einer Ölprobe aus dem Zylinderablauföl
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